A200 Der Unterschied zwischen Design und ausgeliefertem Teleskop

Dieter Lichtenknecker hat  in der Zeit um 1980-90 seine Flatfield mit Astro-Aufnahmen beworben, die Peter Stättmeier in Hersching damals
auf dem "gehyperten" Technikal Pan Film 2415 aus der Praxis gewonnen hatte. Damals war der ultimative Beweis erbracht, daß das System
in jedem Fall  beeindruckende Fotos erzeugen kann. Ich habe mir damals ebenfalls die kleinere 500-er Flatfield gekauft.

Im Falle der AGEMA-Serie gehen Hersteller und Händler offenbar einen anderen Weg, der oft nicht nachvollziehbar ist: Mit glühenden
Worten werden die Ergebnisse eines optical Designs von ZEMAX oder einem anderen Design Programm  dazu benutzt, die scheinbaren
tollen Ergebnisse einer Optik zu "verkaufen", ohne genau zu wissen, ob das tatsächlich gefertigte Einzel-Objektiv tatsächlich der vom
Designer behaupteten Qualität entspricht. Augenwischerei nennt man das, zumal nicht das Design, sondern das gefertigte Objektiv die
Prüfung am Himmel bestehen muß.  Also bastelt man am Erscheinungsbild der Webseiten mit "pseudowissenschaftlichen" Aussagen,
firmen- und händlerseitig, und die umsatz-orientierten Verkäufer versäumen nicht, die "Linse" in den höchsten Tönen zu loben. Ein
Sternfreund hat deshalb so ein Teil gekauft, und auf der opt. Bank prüfen lassen.  Die Farbreinheit ist in diesem Fall lange nicht so toll,
wie das Design es verspricht. Bereits ein defokussierter Sterntest beweist, daß der Farblängsfehler zu sehen ist, daß der Fokus des roten
Spektrums etwas weiter hinter den Farben Blau, Grün Gelb liegt. Die Abstände der Foki entsprechen deshalb nicht den im Design erklärten
Werten. Ob die ganze Serie derartiger Fluorit-Zweilinser ähnliche Merkmale hat, ist damit nicht behauptet. Auch in den "Sozialen Medien"
bzw. Astroforen wird kräftig die Werbetrommel bemüht.  https://www.cloudynights.com/topic/620086-agema-sd-150-first-light/
https://www.agemaoptics.com/telescopes/https://www.astroshop.de/teleskope/10/m,Agema-Optics ,Agema-Optics 

AG-Design_01.jpg
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Laut Webseite sind es vier unterschiedliche Öffnungen. Sehr viel interessanter ist der Strehl-Vergleich im unteren Teil des folgenden Bildes:   
Zunächst wird bestätigt, daß im Fokus der Hauptfarbe Grün 546.1 nm wave ein Vergleich von Opticen üblich ist. In unterem Diagramm vergleicht
man in einer Art Poly-Strehl die opt. Qualität mit so renommierten Firmen wie Zeiss APQ, Takahashi TSA, TEC Triplet, Meade und einem "normalen"
Achromaten. Das Fluorit-Doublet wird mit Triplets verglichen, was schon von der Korrektur problematisch ist. Bereits diese Ergebnisse sind nicht
etwa Meßergebnisse von der opt. Bank, sondern Behauptungen des Designers! Solche Diagramme sind reine Augenwischerei.   Siehe auch
Apochromaten, Beispiele, Einzelsysteme,  Bericht A033 bis A040;                


AG-Design_02.jpg
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Wer sich also mit einem Zeiss-APQ vergleichen möchte, riskiert, daß man logischerweise auch mit Zeiss Fertigungs-Standards vergleicht.
Bereits im Foucault-Test kann man die Unterschiede bei der Politur gut erkennen. Im Falle des AGEMA Fluorit Doublet sieht man Zonen in
der Fläche, die man bei Zeiss vergeblich  sucht.   Ein Beispiel wäre auch der CFF-APO-Bericht.        




Bei den  AGEMA SD 130 Spezificationen im übernächsten Bild wird eine Auflösung von 0.88 arcsec behauptet, bei vermutlich 546.1 nm wave.
Setzt man die Werte in die untere Formel ein, so kommt für die e-Linie 0.866 arcsec heraus. Für die praktische Beobachtung gilt dann noch der 
Faktor 1.22, sodaß man rechnerisch 1.057 arcsec hätte. Nimmt man hingegen blau 486.1 nm wave und setzt diese in die Formel ein, so bekommt
man mit den Faktor 1,22 eine Auflösung von 0.940 arcsec. Damit ist diese Aussage eigentlich ein unscharfer Wert und abhängig von der Wellen-
länge, die man in der Formel verwendet: Wiederum geeignet für eine Aufgenwischerei. Die Formeln findet man im SuW-Buch Tipps und Tricks
für Sternfreunde, 2. Auflage 1998, Seite 14 .  Siehe auch . . .

               
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Die theoretischen Aussagen des Designers, also die computer-berechneten, sagen schließlich nichts aus über die über die Fertigung
erzielte Qualität selbst. Da geht es zunächst um eine exakte und stabile Zentrierung der Einzellinsen sowie das Verhalten bei unter-
schiedlichen Temperaturen, dann um das Bild, das man beim Foucault-Test bzw. Lypt-Test gewinnt, und schließlich was ein defoku-
sierter Sterntest bei ca. 300-facher Vergrößerung zeigt. Sowohl die Gesamtfläche beim Foucault-Test fällt im Vergleich gegenüber Zeiss
und Takahashi deutlich ab. Der Sterntest zeigt mit einem gelbgrün Saum intrafokal und einem Rotsaum extrafokal, daß die Farbreinheit
nicht den behaupteten Spezifikationen entspricht. Der Fokus des roten Spektrums liegt erwartungsgemäß etwas weiter hinten,
weil unser Auge in der Nacht eher "rotblind" ist, und somit eine Linsenoptik farbreiner erscheint. Eine häufig zu beobachtende Technik.              


AG-Design_03.jpg
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Zur  Ergänzung auch die Daten des 120-er Objektivs. Dem Zweilinser-Fluorit-Fernrohr ist natürlich zu wünschen, daß das hier untersuchte
Einzelbeispiel eher der Ausreißer unter ansonsten perfekten Refraktoren ist.                



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