D015 Zwei China-Maksutovs China-Maksutov Nr Drei

 

Am Himmel dürfte dieser Maksutov ein taugliches Gerät sein, wenngleich es einige Schönheits-
fehler aufweist. Die Flächenqualität ist gut, ich hatte hier schon deutlich rauhere Maksutovs zum
Testen. Beschriftung und Seriennummer auf dem Frontring sucht man vergebens. Die zweite
Meniskusfläche ist zugleich der Fangspiegel, der Fokus selbst ist fixiert, das System also nicht
über den Hauptspiegel fokussierbar. In einem solchen Fall sollte das System aber nicht überkorrigiert
sein, was vermutlich eine Frage des richtigen HS-FS-Abstandes ist. Intes-Maksutovs haben eine
höhere Qualität, kosten aber auch mehr. Die Systemdaten kann man dem nächsten Bild
entnehmen. Das Gerät kam völlig dejustiert beim Sternfreund an.

Bevor ich allerdings einen Vergleich ziehen kann mit einem C8 oder C 9.25 muß ich erst einmal
wissen, wie dieses System aussieht. Und auch dann kann man nur Laborergebnisse gegenein-
ander vergleichen. Ein reiner Strehl-Vergleich wäre auch nicht gerade sinnvoll, weil die Geräte
höchst verschieden ausfallen können: Ich hab hier einen weiteren China-Mak.


ChinaMak01.jpg

Wenn beim Sterntest ein opt. System extrafokal einen deutlichen Lichtring zeigt und intrafokal einen diffusen
bis ausgefransten Rand, dann erkennt man daran bereits eine Überkorrektur. Da sich intrafokal eine leicht
dreieckige Verformung des Ringes zeigt, muß noch ein dreieckiger Astigmatismus im Spiel sein. Natürlich
muß das System zunächst justiert werden. Das geht dann leicht, wenn man sich über das Prinzip im klaren
geworden ist. In der Mitte ist der Poison-Punkt und das Scheibchen sollte rotations-symmetrisch zu diesem
Punkt sein. Immer dort, wo der Ringabstand zu diesem Punkt größer ist (intrafokal sieht man das in diesem
Fall besser) muß analog dazu die äußere Zugschraube etwas auf- und die innere Druckschraube etwas zu-gedreht
werden. Danach justiert man den Mak in aller Ruhe, bis der dreieckige Astigmatismus nicht mehr mitspielt.

ChinaMak02.jpg

Auch über den Foucault/Lyot-Test würde man den breit abfallenden Rand bereits ausmachen. Ganz eindeutig
hingegen wäre der Ronchi-Test, und damit dürfte die Überkorrektur den Strehlwert nach unten ziehen.

ChinaMak03.jpg

Auf andere Art zeigt das Interferogramm die Überkorrektur an, links, während die NewtonRinge, rechts, den
dreieckigen Astigmatismus erkennen lassen, so wie er im oberen Sterntest bereits auftaucht.

ChinaMak04.jpg

Nun möchte man gerne wissen, in welcher Weise diese beiden Fehler das Strehlergebnis beeinflussen:
Zusammen drücken beide Fehler den Strehl auf 0.815. Wäre das System frei von Astigmatismus, dann hätte
man wegen der Überkorrektur einen Strehl von 0.886. Wäre das System frei von Überkorrektur, dann
wäre man immerhin bei einem Strehl von 0.92. Fazit: die Überkorrektur fällt störender aus. Da ich einen
weiteren Kandidaten zur Untersuchung hier habe, wird es noch eine Fortsetzung geben.

ChinaMak05.jpg

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bereits getestete Maksutovs im Vergleich zum China-Mak

Alter M715 de Luxe - Fernrohr-Führerschein (Testbericht)
TEC Maksutov-Cassegrain 152/1800
INTES Micro M715 - hochwertige Optik
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Das zweite Exemplar Mak 203/2500 landete interessanterweise genau so bei mir, wie es der
Hersteller aus Fernost in Deutschland abgeliefert hat. Statt einer ordentlichen Justage, wackelte der
Okularauszug, der wie sich später herausstellte mit der Hauptspiegelhalterung verbunden war, und
somit die Hauptspiegeleinheit erst einmal kollimiert werden mußte. Da erneut ein deutlicher Astig-
matismus im Spiel war, zerlegte ich nach und nach das gesamte System, um das Innenleben
dieses Maksutovs zu studieren. Der Hauptspiegel wird auf dem Blendrohr vorne mit einem Gummi-
Ring gehalten und läßt sich gerade noch etwas drehen. Die Halterung hätte man nur mit Gewalt
aufschrauben können, und das ist bei Optiken immer hoch riskant.

China2Mak01.jpg

Die Hauptspiegeleinheit wird über drei 120° Zug/Druck-Schraubenpaare auf der eigentlichen Tubus-RückWand kollimiert -
allerdings wurde ich den deutlichen Astigmatismus erst einmal nicht los. In so einem Fall geht man auf Ursachen-
forschung: Ob z.B. der Hauptspiegel bereits Astigmatismus haben könnte. Mit dem Sterntest unter Höchstvergröße-
rung (es handelt sich ja um eine Sphäre) konnte ich nichts bemerken. Wenn man aber ganz genau hinschaut . . . :whistling

China2Mak01A.jpg

Die HauptspiegelEinheit von vorne ...

China2Mak02.jpg

und hier von hinten zusammen mit der Tubus-Rückwand und den Zentrier-Schrauben-Paaren.

China2Mak03.jpg

Ganz perfekt ist die Sphäre nicht, und genau dieser Fehler bildet sich über die Nachvergrößerung des
Sekundärspiegels später nochmals deutlich ab.

China2Mak04.jpg

Das Ronchibild intrafokal bei 10 lp/mm und einem 20µ großen Pinhole zeigt die bereits bei Foucault festzustellende
flache Ringzone. Da der SekundärSpiegel ein Teil der 2. sphär. Meniskusfläche ist, kann von dort eigentlich
kein Fehler eingeführt werden. Die sphärische Aberration des Gesamtsystems kann also nur direkt mit dem
Hauptspiegel etwas zu tun haben.

China2Mak05.jpg

Dazu im Vergleich der Foucault-Test des GesamtSystems und der Ronchi-Gittertest.

China2Mak06.jpg

Als besonderes Problem stellte sich der vorhandene Astigmatismus heraus. Er hatte wieder eine drei-eckige Tendenz,
durch Justage war ihm nicht beizukommen.

China2Mak07.jpg

Also untersucht man das System nun von vorne bzw. von der Seite der Meniskus-Linse. Und da entdeckt man
einige mechanisch fragwürdige Lösungen. Die Meniskus-Linse ist relativ dick mit ca. 25 mm Randdicke. Daß die
zweite Linsenfläche als Fangspiegel dient, ist möglich, aber man verliert für das Design einen Freiheitsgrad
und die Korrektur wird schwieriger.

China2Mak08.jpg

Wenig überzeugend ist der Sitz dieser Linse: In einen Guß-AluRing wurd mit einem Spiel von ca. 0.2 mm in
einem Dreibackenfutter die zylindrische Aufnahme gedreht, wobei als Anschlag für die Linse gerade mal
ca. 1 mm stehen blieb. Wer erwartet, daß drei Kork-Punkte oder wenigstens ein Pappring die Linse abfedert,
hätte sich getäuscht. Statt dessen findet man den Pappring vor der Linse, wo er nicht so nötig wäre. Und wenn
man nun über den Frontring die Linse kräftig in die Halterung drückt, dann darf man sich nicht wundern,
wenn die Linse mit einem kräftigen Astigmatismus reagiert. Jedenfalls drehte ich die Meniskuslinse und
konnte damit den Astigmatismus reduzieren.

China2Mak09.jpg

Damit war der Astigmatismus auf ein erträgliches Maß reduziert, ca. 8 Strehlpunkte. Die Überkorrektur jedoch,
drückt wie beim ersten System erneut das Strehlergebnis in die Gegend von nur beugungsbegrenzt. Und das
sollte bei einem Maksutov eigentlich besser sein. Deshalb zu Beginn die Vergleichs-Tests um die Qualität
dieses China-Maks besser einschätzen zu können.


China2Mak10.jpg

Sehr deutlich sieht man auch beim Interferogramm den Unterschied vor und nach der Drehung der Meniskus-Linse.

China2Mak11.jpg

Der Foucault- und Ronchi-Test zeigen hauptsächlich den Öffnungsfehler des Systems.

China2Mak12.jpg

Einen Intes-Maksutov wird dieses China-Produkt kaum schlagen können, da müßte auch am Design noch was
geändert werden. Intes-Maksutovs bilden in der Regel perfekt ab, kaum daß sie Astigmatismus zeigen.
Auch einen Öffnungsfehler findet man dort eher selten. Allerdings kosten sie auch das Doppelte, sodaß sich
deshalb die Frage nach dem Preis-Leistungsverhältnis stellt, mit anderen Worten, beim halben Preis wird man
die Ansprüche etwas zurückstecken müssen.

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Hatte gestern erneut einen dieser China-Maksutovs zur Optimierung hier:
http://nanjinga.en.china.cn/selling-leads/detail,1001823088,China-Mainland-8inch-Maksutov-Cassegrain-Telescopes.html
Das System reagiert im Feld sehr schnell mit Koma, weshalb man bei der Justage bereits aufpassen muß. Justiert wird nur
am Hauptspiegel, nur war der leider derart fest eingeklemmt, daß er astigmatisch reagierte. Also versuchte ich mit Ausbau
des Hauptspiegels mein Glück. Die Mechanik erinnert an manche USA-Teleskope und deren "abenteuerliche" Lösungen bei
mechanischen Problemen: Eine hand-gewickelte großdimenionierte Feder drückt den Hauptspiegel in Richtung Meniskus-Linse,
um das Fokussier-Spiel in Schach zu halten. Jedenfalls waren sowohl die optischen Bauteile identisch (150/1900) und der
Zonenfehler bzw. die Überkorrektur mit 35% Strehlminderung taten ein Übriges, den Maksutov unter die Beugungs-Grenze zu
ziehen. Zusammen mit Rest-Astigmatismus landete man schließlich bei 0.42 Strehl. Verkauft wird das Teil von irgend einem
chinesischen Mischwaren-Konzern. Mit einem Wort: Ü b e l !

Der Aufkleber MC könnte bedeuten: http://www.madeinchina.com/
Jedenfalls sind die Merkmale zu den vorherigen zwei Maksutovs hinsichtlich opt. Merkmale und Bauweise sehr verblüffend ähnlich.
Diesmal trägt der Haltering der Meniskus-Linse sogar eine Gravour.

China3Mak01.jpg

Das RonchiGramm intrafokal 13 lp/mm offenbart eine Überkorrektur kombiniert mit einem Zonenfehler in Form einer "Rinne" Das
wäre der erste Fehler, der das Strehlergebnis auf ca. 0.65 senkt und damit fest eingebaut ist.

China3Mak02.jpg

Der zweite Fehler in fast gleicher Größe stellt ein Astigmatismus dar, der vorher noch größer war, weil der Hauptspiegel regel-
recht in seiner Fassung eingeklemmt war. Der Sternfreund konnte das Bild nicht mehr scharfstellen.

China3Mak03.jpg

Überkorrektur zusammen mit Obstruktion und Astigmatismus senkt den Strehl in diesem Fall auf ca. 0.42 und damit das Maximum
in der Mitte und eine kräftige Verlagerung der Lichtenergie in die Beugungs-Ringe.

China3Mak04.png

Die 3-D-Darstellung zeigt beide Fehler in einem Schaubild.

China3Mak05.jpg

Das Endergebnis fällt also sehr bescheiden aus. Auf der Seite des Gemischwaren-Ladens sucht man mittlerweile dieses Teleskop
vergebens - der Renner war es sicherlich nicht.

China3Mak06.jpg


Gebraucht erstand der Sternfreund das edle Teil für 120.- Euro, und das ist dann der einzige Lichtblick in der langen Kette aller Vorbesitzer.

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