B038 historisches HAK 90-1650 von Dieter Lichtenknecker

Fingerspuren optisch sichtbar gemacht

Ein Fingerabdruck, der jeden Kriminalisten begeistern würde, störte völlig zu Unrecht ein Objektiv
von Lichtenknecker , das vor 30 Jahren sicherlich zu den besten gehörte, was der Dieter damals
geschliffen hat.

Das kleine Öffnungsverhältnis von f/18.33 führt zu einer relativ großen Schärfentiefe von 0.36 mm, innerhalb
derer die Fehler eines Objektivs relativ gut "verschwinden". Dividiert man das sekundäre Spektrum von
0.733 mm (Abstand des geometr. Mittels von Blau und Rot zur Hauptfarbe Grün) durch die Schärfen-
Tiefe, so bekommt man als RC-Index-Zahl knapp 2.00 heraus bei 546.1 nm wave. Und damit hätte man
einen Halb-APO, der ganz im Bereich der Zeiss-AS-Objektive liegt. http://www.astro-foren.de/showthread.php?t=6084
Nur war die Öffnungszahl bei Zeiss etwas größer.
RC-Wert bei Lichtenknecker; Algorhythmus zur Berechnung, A , B , C , FH150/2300
Erläuterung der RC-Index-Zahl: Die Rohr´sche APO-Index Zahlen
Farblängsfehler messen mit dem Bath-Interferometer

LK-HAK90_01.jpg

Das Objektiv vor dem Planspiegel - aus Unachtsamkeit war es nach Beseitigung des Fingerabdruckes kurz
einmal verkehrt herum vor dem Planspiegel, was die Optik sofort mit einem kräftigen Öffnungsfehler
quittierte.

LK-HAK90_02.jpg

Der Sterntest in Autokollimation (bei doppelter Genauigkeit) zeigte unterhalb der Mitte eine dunkle STelle.
Im Vertrauen darauf, daß mit Foucault und Lyot diese Unregelmäßigkeit noch deutlicher werden würde,
verzichtete ich auf eine nähere Untersuchung, bis sich ganz zuletzt unter einer 500 Watt Halogen-Lampe
die einfache Ursache herausstellte: Ein gut sichtbarer Fingerabdruck. Und als der beseitigt war, war das Foucault-
Bild wieder makellos.

LK-HAK90_03.jpg

Beim Durchmesser von 90 mm stolpert man über das theoretische Auflösungsvermögen, die Dreier-Gruppe meines
künstlichen Sternhimmels wird nicht mehr aufgelöst, die rechnerischen Daten beweisen es, das Foto auch.

LK-HAK90_04.jpg

Noch stört der Fingerabdruck das Foucault-Bild. An der Farbverteilung: links Blau/Rot und rechts Gelb/Grün
läßt sich sofort der Achromat/Halb-APO erkennen, was über den oberen Sterntest (3. Bild) ebenfalls mög-
lich ist. Erst bei einem Voll-APO mischen sich die Farben mit dem Gaußfehler oder verschwinden allmählich,
wie beim ZEISS B Objektiv. http://www.astro-foren.de/showthread.php?p=35739#post35739

LK-HAK90_05.jpg

Im Regelfall wäre bei einem Achromat/Halb-APO das grüne Spektrum perfekt, das blaue überkorrigiert und das
rote Spektrum unterkorrigiert. In diesem Fall ist kein Gaußfehler wahrnehmbar. Lediglich der Fingerprint
erscheint als kleine "Mulde".
Das Objektiv hat eine Restcoma von ca. 1% Strehlpunkt und etwa 2% Prozentpunkte Astigmatismus. Bei
einem Strehl von mindestens 0.962 wird man davon am Himmel kaum etwas merken, auch wegen der
kleinen Öffnung.

LK-HAK90_06.jpg

Das Referenz-Interferogramm mit Auswertung und Idealverlauf der Streifen. DAmit läßt sich bei genauer
Betrachtung sowohl die Koma an der "S"-förmigen Überlagerung der Streifen identifizieren, wie der
Astigmatismus über die ansteigenden Streifenabstände.

LK-HAK90_07.jpg

Auf der Basis des Referenz-Interferogrammes das synthetische Streifenbild.

LK-HAK90_08.jpg

Rest-Coma und -Astiogmatismus in der Wellenfront-Deformation

LK-HAK90_09.jpg

Die Energie-Verteilung oder Point Spread Function

P1010106APSF.gif

Die Kontrast-Übertragungs-Funktion

LK-HAK90_11.jpg

Und schließlich das quantitative Ergebnis mit 0.962 Strehl bei ca. Lambda/4 Peak to Valley der Wellenfront

LK-HAK90_12.jpg

siehe auch:
http://rohr.aiax.de/foucault-bilder1.jpg
http://rohr.aiax.de/foucault-bilder.jpg
http://www.astro-foren.de/showthread.php?p=37481#post37481

 

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